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Blog der Universität Bonn

27.06.2016

Brexit: Freundschaftliche Verbindungen sind nicht gefährdet

Brexit: Freundschaftliche Verbindungen sind nicht gefährdet

Die Briten haben beschlossen, die Europäische Union zu verlassen. Die potentiellen Folgen des „Brexit“ beschäftigen auch die Wissenschaft. Dazu erklärt der Rektor der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Prof. Dr. Michael Hoch:

„Unabhängig davon, wie jetzt die Austrittsverhandlungen laufen, bin ich überzeugt: Die guten und engen freundschaftlichen Verbindungen der Universität Bonn zu ihren Partnern im Vereinigten Königreich sind durch den EU-Austritt der Briten nicht gefährdet. Auch im ERASMUS-Programm waren schon immer zusätzlich zu den EU-Staaten Nicht-Mitgliedsländer vertreten. Wissenschaft war schon immer grenzüberschreitend und wird es auch in Zukunft bleiben. Von daher bin ich zuversichtlich, dass unsere Universitätspartnerschaften mit Oxford und St. Andrews und die zahlreichen bilateralen Kontakte in Forschung und Lehre von dem „Brexit“ nicht tangiert sein werden.“

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18.04.2016

Joint-Research-Laboratory in Tokyo eröffnet

Joint-Research-Laboratory in Tokyo eröffnet

Prof. Dr. Florian Grundler, Professor für Molekulare Phytomedizin an der Universität Bonn, ist gerade zurück aus Tokyo, wo er die Tokyo University of Agriculture and Technology (TUAT) besucht hat. Neben Vorträgen und wissenschaftlichen Diskussionen wurde im Rahmen des Besuchs das neue Joint-Research-Laboratory eröffnet. In Bonn gibt es bereits ein Pendant dieser gemeinsamen Forschungseinrichtung.

Wir haben Professor Grundler zur Kooperation mit Tokyo befragt.

Newsblog: Wie ist es zu der Zusammenarbeit gekommen?

Florian Grundler: Zur Zusammenarbeit kam es aufgrund einer Kooperation von Rektor Prof. Dr. Michael  Hoch mit der Waseda Universität in Tokyo. Die TUAT wandte sich ebenfalls an Prof. Hoch, der anschließend die Landwirtschaftliche Fakultät einband. Ich habe mich von Anfang an für die Kooperation interessiert und versucht, den Kontakt aufrecht zu erhalten und zu intensivieren.
 
Welche wissenschaftlichen Fragestellungen wollen Sie gemeinsam bearbeiten?

Grundler: In einem breiten fachlichen Kontext arbeiten wir an der Entwicklung neuer Konzepte zur Bekämpfung von pflanzenparasitären Nematoden, sowie an der Identifizierung von pflanzlichen und mikrobiellen Verbindungen, die die Entstehung von Krebszellen bei Tier und Mensch verhindern sollen.

Was ist Ziel der Kooperation?

Grundler: Ziele der Kooperation sind natürlich insbesondere der fachliche, aber auch der kulturelle Austausch durch Forschungsaufenthalte von Kollegen und Studierenden. So konnte eine meiner Musterstudentinnen sechs Monate in Tokyo verbringen, während ich zurzeit zwei Doktoranden der TUAT hier in Bonn betreue. Darüber hinaus hatten wir mehrmals Besuche von Gruppen von Studenten und Dozenten der TUAT, die die Universität Bonn und die Landwirtschaftliche Fakultät kennenlernen wollten.

Worin besteht der besondere Nutzen dieser bilateralen Zusammenarbeit?

Grundler: Der besondere Nutzen der Kooperation besteht vor allem im Kennenlernen eines jeweils komplett anderen Universitäts- und Forschungssystems. Insbesondere japanische Studierende haben wenig internationale Kontakte und oft Probleme mit Fremdsprachen. Für deutsche Studierende ist natürlich zunächst die japanische Kultur, die Sprache, die Schrift, der persönliche Umgang, aber auch die Herangehensweise an Problemlösungen eine sehr besondere Erfahrung.
 
Was genau findet in den Joint-Research-Laboratories statt?

Grundler: Die  Joint-Laboratories haben zunächst die besondere symbolische Bedeutung, eine langfristige Kooperation aufzubauen und zu erhalten. Zum anderen wollen wir mit der Einrichtung der Labore Verbindung zwischen Forschung an Pflanzen und Tieren bzw. Mensch wagen. Das ist natürlich zunächst durch die Anwendung von Methoden, die in beiden System gleich sind möglich. So arbeiten wir in Bonn schwerpunktmäßig molekularbiologisch, während die Partner an der TUAT ihre Schwerpunkte in der Gewebekultur und der Analytik haben.   

Gruppenfoto

 

Prof. Dr. Florian Grundler und seine Mitarbeiterin Sylvia Schleker (2./3. v.l.) bei der feierlichen Eröffnung des neuen Laboratoriums mit TUAT-Vizepräsidentin Chisato Miyaura. Foto: Prof. Masaki Inada

Das Interview führte Dr. Andreas Archut.

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15.03.2016

Universitäten Tokyo und Bonn kooperieren

Universitäten Tokyo und Bonn kooperieren

Montag, 14. März 2016. Alleine sind wir hier sicherlich nicht in der riesigen Aula der Universität von Tokyo, wo es um die internationalen Kooperationen der Universität geht. “Wir” sind sechs Studenten aus dem internationalen Doktorandenprogramm des Zentrums für Entwicklungsforschung der Universität Bonn (ZEF) und ihre beiden Begleiter.

Wir sind hier auf Studienreise beziehungsweise Austauschbesuch. Die japanische Regierung will die Forschung internationalisieren und die Universitäten sollen mitziehen. So werden an diesem Montagmorgen mit viel Geduld beim Zuhören und äußerster Disziplin in dreieinhalb Stunden insgesamt 22 internationale strategische Partnerschaften vorgestellt, welche die Universität von Tokyo mit Universitäten in insgesamt 14 Ländern auf fast allen Kontinenten hat. Die Zeit kann auch nur so genau eingehalten werden, weil fast niemand von den knapp 100 anwesenden Professoren und Wissenschaftler eine Frage stellt.

Obwohl viele verschiedene Fachrichtungen und mehrere der zehn Fakultäten der Universität von Tokyo in internationalen Kooperationen involviert sind, scheint der Schwerpunkt doch auf die in Japan traditionell dominierende Naturwissenschaft und Technologie zu liegen.  Anders die Kooperation, die die Universität Bonn mit der Universität von Tokyo eingegangen ist (und die Anfang des Jahres mit zwei „Memoranda of Understanding” offiziell besiegelt wurde): Sie hat als einzige den Schwerpunkt Entwicklungsforschung. Es geht primär um Kooperation in der Forschung aber auch um Ausbildung von Doktoranden.

Strategische

Strategische Partnerschaft zwischen den Universitäten Tokyo und Bonn. (c) Foto: Alma van der Veen/ZEF


Woher das Interesse an der Universität Bonn beziehungsweise am ZEF rührt, fragen wir Professor Kenskuke Okada, der an der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität von Tokyo lehrt und die treibende Kraft hinter der Kooperation mit der Universität Bonn ist. „Das ZEF bildet seine Studierenden interdisziplinär in den Fachgebieten der Ökonomie, Ökologie und Sozialwissenschaften aus.  Das macht es für uns interessant”, erläutert er. „Auch die Kombination von Forschung und Ausbildung am Institut sowie einem Jahr praktischer Feldforschung in Entwicklungsländern ist für uns ein erfolgsversprechendes Konzept”, ergänzt Okada. Das Institut an der Universität Tokyo, mit dem das ZEF im Rahmen der offiziellen Kooperation eng zusammenarbeitet, hat den pfiffigen Namen „IPADS“ (International Program in Agricultural Development Studies).

Die allgemeine Internationalisierungsstrategie der Universität von Tokyo geht laut Professor Ken Furuya, Vizepräsident der Abteilung für internationale Angelegenheiten, Richtung „Mobilität, Exzellenz und Diversität”. Man wolle eine „Global Campus Model” entwickeln, mehr mit der Gesellschaft in und außerhalb Japans interagieren und zur globalen Wissensgemeinschaft beitragen. Die Sozialwissenschaften sollen eine stärkere Rolle spielen, interdisziplinäre Forschung vorangetrieben werden. Austausch von Studierenden bleibt ein Kernanliegen. Wie das in der Praxis aussehen kann, dürfen dann ein paar Studierende vortragen, die erste konkrete Erfahrungen in verschiedenen internationalen Programmen gesammelt haben. Der Austausch scheint für sie nicht so sehr von akademischer, sondern vielmehr von persönlicher und sozialer Bedeutung gewesen zu sein.

Fachliche Kompetenz kann man sich gewiss auch an japanischen Universitäten erwerben, die im internationalen Vergleich in vielen Fachgebieten einen ausgezeichneten Ruf haben. Der Unterschied liegt offensichtlich vor allem in der Art, wie an den Universitäten unterrichtet wird und wie die Studierenden untereinander und mit ihren Professoren umgehen. Die einerseits sehr diszipliniert vorgetragenen und gut vorbereiteten Vorträge bekommen dann doch etwas sehr Persönliches, wenn eine Studentin erzählt, sie habe beim Auslandssemester in Australien gelernt,  ihre Meinung und Gefühle zu äußern, während ein anderer japanischer Student von Teamarbeit schwärmte, die beim gemeinsamen Bau eines Solarboots im Rahmen einer Forschungskooperation in Schweden im Mittelpunkt stand.  Ein weiterer Student berichtete von einem Aufenthalt in Schweden, wo er erfuhr, was Diversität, Toleranz gegenüber Minderheiten und die damit zusammenhängende Inklusion von Kindern mit Handicap an Schulen bedeutet.

Delegation

Delegation auf dem Campus der Universität Tokyo. (c) Foto: Alma van der Veen/ZEF


Die sechs internationalen ZEF-Studenten, die aus ganz verschiedenen Ländern stammen, werden in Japan mit etwa 20 internationalen Studierenden aus dem IPADS Programm eine Woche Hardcore-Wissenschaft betreiben – unter anderem zu „Crop Modelling” mit Kursen, Vorträgen und Experimenten auf den Versuchsfeldern der landwirtschaftlichen Fakultät, die sich etwa zwei Autostunden außerhalb von Tokyo befinden. „Was ich hier lerne, kann ich sofort in meine Doktorarbeit einfließen lassen”, berichet eine ZEF-Doktorandin begeistert. Etwas Zeit zum interkulturellen Austausch wird trotzdem bleiben. Denn auch essen und einkaufen gehen ist in Japan schon ein Erlebnis, wofür man sehr neugierig und auch etwas mutig sein muss. Wichtige Eigenschaften, über die erfolgreiche Nachwuchswissenschaftler auf jeden Fall verfügen sollten!
Alma van der Veen/ZEF

Einkaufen

Einkaufen in Tokyo. (c) Foto: Alma van der Veen/ZEF


Universität Tokyo:

Die Universität ist eine von sechs Universitäten in der 30-Millionen Stadt (einschließlich Ballungszentrum). Sie ist unter den nicht-privaten Universitäten eine der renommiertesten in Asien. Es studieren etwa 28.000 Studierende an der Uni (darunter 2.100 internationale Studierende), welche von etwa 2.400 Professoren und „Associate Professoren” (vergleichbar mit Privatdozenten) betreut und unterrichtet werden. 589 der 765 Universitäten in Japan sind privat (ca. 77%). Die 176 staatlichen Universitäten unterteilen sich zusätzlich in nationale (86) und kommunale (90). Die privaten Hochschulen bilden zwar 73,3 % aller Studenten aus, vergeben aber nur 36 % der Master- oder Doktortitel. Die staatlichen Universitäten bilden 76 % der Doktoranden aus. Studiengebühren in Japan sind unterschiedlich, aber um vieles höher als in Deutschland, dafür niedriger als in den USA. (Quellen: eigene Interviews, www.tokyo.daad.de und Wikipedia)

 

Tokyo ist sehr angenehm

Montag, 14. März 2016. Lost in Translation - waren wir nicht, denn wir haben uns dank unserer japanischen Begleitung immer verstanden gefühlt und auch sonst ist die Stadt nicht so fremdartig, als dass man sich nicht wohlfühlen könnte. Tokyo ist sehr angenehm - zumindest in den Ecken, wo wir unterwegs waren. Das Gebiet beim Campus hat viele zweistöckige Häuser und enge Straßen mit wenigen Fußgängern und Autos. Der Stadtteil am Hauptbahnhof (Ueno) ist etwas turbulenter. Auf offener Straße werden aller Art von Fisch verkauft und in den Shoppingmalls gibt´s lebende Moräne zu kaufen. Essen und das Leben in Tokyo sind auch nicht so günstig als gedacht. Sushi & Co. sind ähnlich teuer wie in Deutschland. Ein Geheimtipp, in den uns eine Assistentin vom IPADS-Programm eingeweiht hat, ist die gegrillte Süßkartoffel. In dem Zustand ist sie leicht zu schälen und schmeckt wie warme Banane.

Straßenszene in Tokyo

Straßenszene in Tokyo. (c) Fotos: Janina Kleemann/ZEF

Neben dem netten Begleitpersonal mag es auch an den ähnlichen westlichen Standards und dem derzeitigen ähnlichen Wetter (kalt und nass) liegen, dass wir uns so schnell zurecht finden. Und noch besser: in puncto Sicherheit, Sauberkeit, Pünktlichkeit und Höflichkeit übertreffen die Japaner die Deutschen. Vor allem die Sauberkeit, die man in deutschen öffentlichen Räumen öfters mal vermisst, ist atemberaubend. Kommentar vom Welttoilettentag: Japans Toiletten sind die saubersten der Welt. Auch die Toilette einer Parkanlage wird täglich sauber gehalten; von den verschiedenen Knöpfen für die Po-Dusche und der Spülmusik, die unangenehme Toilettengeräusche überdecken soll, ist gar nicht erst die Rede. Und nirgends muss man die 50 Cent Klogebühr bezahlen.

Kleemann-Laden

Laden mit traditioneller Töpferware.

Auf der anderen Seite ist dieser Gegensatz zwischen professionellem Perfektionismus (pünktlich auf die Sekunde, viel Hightech und Wissenschaft) und ausgeklügeltem Kitsch (süßen Comic-Figuren überall - ob an Bushaltestellen, Baustellen oder Warnschilder). Naja, vielleicht ist das auch kein Gegensatz, sondern auch eine Gemütsaufhellung bei all dem Stress und Leistungsdruck. Die Doktorandin, die uns begleitete, führt ein hartes Arbeitsleben von bis zu 18 Stunden pro Tag – Wochenenden inbegriffen.

Und dann sind da noch die Schriftzeichen, das Essen und die zwischenmenschlichen Verhaltenscodes. Bei Geschäftstreffen ist das Geschenk nicht zu vergessen, wo das Packpapier meist wichtiger ist als der Inhalt. Ausgepackt wird das Geschenk nicht in Anwesenheit des Schenkenden. Das wäre in Deutschland eher unhöflich.

Kleemann-Tablett

Die vegetarische Alternative zum normalen japanischen Essen.

Das Essen gestaltet sich als Vegetarier schwierig - schwieriger als gedacht. Es bleibt im Notfall immer noch Omelette mit Reis und Salat, aber jeden Tag will man das auch nicht essen. Und kalte Alternativen wie Salat sind meist auch im Angebot. Der Tofu wird leider oft in einer Fischbrühe serviert. Und das Frühstück ist mit kaltem Rührei, Toastbrot und grünem Salat mit Nudeln zu meinem Bedauern auch nicht süß. Dafür bekommt man in der Teenation erstaunlich guten Kaffee. Die Globalisierung hat auch Japan fest im Griff. Janina Kleemann/ZEF

 

„Perspektiven ändern und sich austauschen“

Mittwoch, 16. März 2016. Professor Kae Miyazawa, Associate Professor an der “Graduate School of Agricultural and Life Sciences“ der Universität von Tokio, berichtet über nachhaltigen Konsum in Japan, Frauen und akademische Karrierechancen sowie die ganz persönlichen Folgen des Atomunfalls in Fukushima im März 2011. Das Interview führte Alma van der Veen vom Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn.

Professor Miyazawa, können Sie uns etwas über Ihren wissenschaftlichen Hintergrund erzählen?
Am Anfang stand ein Bachelorstudium der Pflanzenökologie an der University Tohoku (Sendai, Japan). Ich interessierte mich für den Bereich des Naturschutzes. Nach Ende meines Masterstudiums in Kanada an der McGill University in Montreal erkannte ich, dass wir eine Balance finden müssen zwischen der Natur und den menschlichen Eingriffen durch die Landwirtschaft.
Nach Ende meiner Promotion an der Universität von Tokio begann ich, für die National Agriculture and Food Research Organization, einem nationalen Institut, zu arbeiten – und zwar als Boden- und Getreideforscherin in der Abteilung in Fukushima. Dort arbeitete man daran, Landwirtschaft nachhaltiger zu gestalten. Ich erkannte: Wenn wir über Naturschutz sprechen, müssen wir menschliche (Inter-)Aktionen in die mit der Natur integrieren. Aktuell forsche ich zum Mischkulturanbau und zu einem Bereich, das wir Pflanzenkommunikation nennen.

Interview

Professor Kae Miyazawa, Associate Professor an der “Graduate School of Agricultural and Life Sciences“ der Universität von Tokio. (c) Foto: Uni Tokyo


Wie hat die Nuklearkatastrophe von Fukushima und die Folgen auf Umwelt und die Gesundheit der Menschen in Japan das Verhalten der Konsumenten in Hinblick auf organisches und gesundes Essen verändert?
Ganz unterschiedlich. Es gibt eine Gruppe von Menschen, die ein wachsendes Bewusstsein für Gesundheitsrisiken und den Wert von gesundem Essen entwickelte. Auf der anderen Seite hatte der Reaktorunfall einen sehr negativen Nebeneffekt: Biobauern in der Region um das Kernkraftwerk mussten ihre Produktion einstellen. Konsumenten, die Bio-Produkte kaufen, sind generell kritischer was Nahrungssicherheitsrisiken angeht. Und ihre erste Reaktion war, jegliche Nahrungsmittel aus Fukushima zu meiden.


Können Wissenschaftler das Verhalten der Menschen in Hinblick auf Konsummuster nachhaltig verändern?
Tatsächlich ist dies mein nächstes Forschungsprojekt. Natürlich wissen Konsumenten eine große Menge über die Folgen von konventioneller Landwirtschaft, Fleischproduktion und Überfischung. Aber: Wissen bedeutet nicht handeln, und Menschen treffen keine Entscheidungen rein basierend auf Wissen und rationalen Argumenten. Menschen wollen ihr Essen genießen. Es ist nicht einfach, Verhalten nur durch Informationen zu verändern. Der Schlüssel dazu ist, nachhaltige Konsummuster attraktiver und genießbarer zu machen. In meinem Team beschäftigen sich Studenten mit diesem Aspekt aus Sicht der Sozialwissenschaften, und ich möchte ihren Beitrag integrieren, um nachhaltige Nahrungsmittelproduktion und -konsum zu fördern.


Gibt es seitens der Regierung Projekte, die nachhaltige Nahrung fördern, etwa durch Werbung für den Verzicht auf Fleisch, etwa im Rahmen eines „veggie days“, wie es in vielen europäischen Ländern populär ist?
Nein, solche Projekte gibt es meines Wissens nach nicht. Die Regierung fördert ausgewogene Ernährung und ermutigt ältere Menschen, mehr Proteine zu sich zu nehmen, um gesund zu bleiben. Japaner mögen Fleisch und Fisch. Und sie glauben, dass der Konsum tierischer Proteine notwendig ist, weshalb sie dies auch bei ihren Kindern so handhaben. Es gibt aktuell kein allzu großes Bewusstsein für dieses Problem.

Frau Miyazawa, sie sind eine der jüngsten und eine der wenigen weiblichen Professoren an der Universität Tokyo. Wie ist das?
Ich habe keine Nachteile gehabt oder das Gefühl, auf negative Art und Weise von meinen Kollegen behandelt zu werden. Zuvorderst bin ich froh und finde es angenehm, dass ich in diesem akademischen Feld und in einer Lehrtätigkeit bin. Um ehrlich zu sein, ich hatte schwierige Entscheidungen zu fällen während meiner Tätigkeit nach dem Reaktorunfall am 24. März 2011, da mein Ehemann nicht mehr in Fukushima leben wollte. Ich sah mich nach einem anderen Beruf um und war bereit, meine wissenschaftliche Arbeit aufzugeben. Dann erhielt ich aber das Angebot, an der Agrarwissenschaftlichen Fakultät der Tokyoter Universität zu arbeiten. Das war ein beruflicher Glücksfall für mich, und ich war glücklich, die Position zu übernehmen. Es ist schön, einen Beruf zu haben, bei dem ich noch immer Zeit mit meiner Familie verbringen kann.


Es gibt nicht viele Frauen, die an der Universität Tokyo Professorinnen sind. Statistisch sind es von 2.400 ungefähr 220, weniger als zehn Prozent, und damit annähernd die gleiche Rate wie an der Universität Bonn. Das Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Studenten und sogar Doktoranden ist dagegen nahezu gleich. Es scheint offenbar eine Geschlechtergrenze zu geben für die Karriere in höhere akademische Positionen.  
Ich glaube, der Hauptgrund ist ein psychologischer. Fakt ist, dass viele weibliche Studenten oftmals bessere Noten haben als ihre männlichen Kollegen. Aber sie haben weniger Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten. Sie denken, dass sie es nicht schaffen. Das geht über das akademische Feld hinaus. Natürlich gibt es Mentorenprogramme an unserer Universität, und es gibt ein Büro für Geschlechtergleichheit. Es gibt sogar eine Frauenquote für akademische Positionen von 20 Prozent, die bis zum Jahr 2020 zu erreichen ist. Aktuell können wir diese nicht erfüllen. Ein anderer Grund, dass Frauen oftmals keine Karriere anstreben, sind die starren Arbeitsbedingungen in Japan, die keine Flexibilität erlauben, etwa wenn Frauen Kinder bekommen oder mehr Zeit mit ihnen verbringen wollen. Ich denke, als Wissenschaftler sind wir da in einer besseren Position, weil wir ein Stück mehr Flexibilität haben.

 
Was kann an Universitäten getan werden, um die Position von Frauen zu verbessern?
Ich denke, wir müssen mehr individuelle Unterstützung für Frauen an Universitäten anbieten. Mentoren- und Beratungsprogramme sind ein guter Start und eine Strategie. Ich versuche, meine Ausbildung und meine Erfahrungen in diesem Feld in die Unterstützung von Studentinnen für ihren Karriereweg einfließen zu lassen.


Was sind die wichtigsten Vorteile von internationalen Austausch- und Kooperationsprogrammen wie IPADS-ZEF?
Für die Studenten ist es sehr wichtig, Perspektiven zu ändern und auszutauschen. Das Gleiche gilt für Professoren. In Japan gilt die Lehre als nicht unbedingt wichtig für eine akademische Karriere. Als ich vor 20 Jahren Studentin war, fühlte ich mich sehr gelangweilt in Vorlesungen, weil Professoren nicht besonders gut unterrichten konnten.  Die Situation in Kanada, wo ich meinen Master machte, war komplett anders. Nicht nur im Bereich der Lehre, aber auch die Art, wie Professoren und Studenten miteinander umgingen, war so unterschiedlich. Es sind nicht unbedingt die akademischen Schwerpunkte, aber der Weg, wie akademisches Wissen geteilt und vermittelt wird, der Austauschprogramme über internationale Grenzen hinweg zu einer solch wertvollen Erfahrung macht.


Professor Mizayawa, danke für das Interview!

 

Tokyos laute und schrille Seite

Mittwoch, 16.03.16. In der Mitte der Woche unseres IPADS/ZEF-Kurses haben wir eine grandiose Tour durch Tokyo unternommen - mit ein paar unserer IPADS-Kollegen als Guide. Ok, jetzt erscheint die Stadt doch deutlich größer als gedacht. Die Anzahl der Wolkenkratzer ist nicht mehr zu zählen. Im Internet las ich, dass Tokyo mit 422 Wolkenkratzer auf Platz drei als Stadt mit den meisten Wolkenkratzer liegt. Und an den „Hotspots“ ist auch menschen- und lautstärkenmäßig mehr los. So hatte ich mir Tokyo vorgestellt: überall blinkende, laute Reklame und über der Straße diagonal querende Zebrastreifen, wo Massen von Menschen zeitgleich loslaufen. Der Autoverkehr hält sich aber trotzdem in Grenzen.

 Tokyo-Wolkenkratzer

Wolkenkratzer-Landschaft vom Tokyo Metropolitan Government Building. (c) Fotos: Janina Kleemann/ZEF

Wir begannen unsere Neun-Stunden-Tour durch Tokyo in Shinjuku, dem Businessviertel in Tokyo. (Man sah deutlich mehr Leute mit Schlips und Kragen herumlaufen.) Einer unserer IPADS-Kollegen erzählte uns spannende Geschichten von der Tokyo-Mafia und der rechten Bewegung, von der wir auch das schwarze Auto mit Lautsprechern auf dem Dach herumfahren sahen. Sie sind strikt gegen Ausländer. Auf dem 240 Meter-hohen Tokyo Metropolitan Government Building hatten wir eine grandiose Sicht über Tokyo – übrigens kostenlos.

 Tokyo-Boot

Futuristischer Kulisse von Odaiba aus.

Von dort fuhren wir mit dem SkyTrain zum futuristischen Odaiba nahe der Bucht von Tokyo. Naja, die Shopping Malls kennt man auch aus den USA. Nach einer Fast Food-Stärkung fuhren wir mit dem ebenso futuristischen Touriboot in die andere Ecke von Tokyo zu den vereinzelt zu findenden traditionellen Gebäuden wie dem Sensoji-Tempel. Dieser Tempel ist angeblich der älteste in Tokyo und wurde 628 erbaut. Dort kann man aus Schriftrollen seine Zukunft voraussehen und viele Souvenirbuden lassen das Touristenherz höher schlagen.

 Tokyo-Tempel

Sensoji-Tempel

Nachdem wir abends gestärkt von der IPADS/ZEF Welcome-Party zurück in unser Hotel fahren wollten, mussten wir vorher unbedingt noch das Hachiko-Denkmal in Shibuya gesehen haben. Hachiko war aus japanischer Sicht der treuste Hund der Welt. Hachiko hat noch zehn Jahre nach dem Tod seines Herrchens an der Haltestation auf ihn gewartet. Bei dem heutigen Trubel an dem Bahnhof von Shibuya wäre jeder verwaiste Hund überrannt worden, denn es gleicht mit Blink-Reklame mit musikalischer Untermalung eher einem lauten Fashion- und Partyviertel. Die riesen Bildschirme sind so hell, dass die Nacht fast zum Tag wird. Janina Kleemann/ZEF

Tokyo-blinkende Stadt

Party- und Fashionviertel Shibuya

 

Spaß und  Sisyphus-Arbeit

Freitag, 18.03.16: Die Bilanz nach fast einer Woche Crop-Modelling ist, dass ich doch so einiges gelernt habe. Mein Background ist zwar Landschaftsökologie, aber es war auch viel Theorie dabei gewesen und da tut ab und an eine Praxis als Auffrischung ganz gut. Zum Beispiel habe ich mich gefreut, dass das Bodenprofil schon gegraben war - das habe ich schon einmal als Teil meiner Ausbildung absolvieren müssen und das war bei einer Brandenburger Wiese, die mit Spitzhacke angegangen werden musste, nicht so angenehm. Ich habe gelernt, wie man die Bodenfeuchte, den Luftgehalt im Boden und die Lichtstrahlung misst. Und wie man den Blattflächenindex berechnet, der darüber Auskunft gibt, wie viel Blattfläche von Pflanzen sich über einem Quadratmeter Boden befindet.

Oh ja, und dass es eine Maschine gibt, die von den einzelnen Grashalmen die Oberfläche erfasst. Dabei muss jedes Blättchen einzeln durch eine Art Walze geschoben werden - das hat Spaß gemacht, war aber auch Sisyphus-Arbeit. Eine ebensolche war die Trennung zwischen Stengel, Blatt und toten beziehungsweise verwelkten Blättern; vor allem nach bereits fünf Stunden vorausgegangener Konzentration. Da tat mir Nuwan leid, dessen Versuchsfelder wir für unseren Kurs nutzen dürfen. Er hat 48 Versuchsfelder und muss diese Arbeit für alle einzelnen Felder leisten. In unserem Fall musste sich nur jeder Student um ein Versuchsfeld kümmern. (Ich hoffe, er kann trotz unserem Herumgetrampel auf seinen Versuchsfeldern seine Doktorarbeit erfolgreich beenden.)

 Kleemann-Profilgrube

Die Teilnehmer des Crop-Modellingkurses entnehmen Proben aus dem Bodenprofil. (c) Fotos: Janina Kleemann/ZEF

Spannend war auch die Vorführung mit einer Drohne, die Luftaufnahmen vom Feld machen kann. Die Daten werden im Computer in ein 3D-Modell übertragen. Die Drohnen erleichtern zum Beispiel die Bestimmung der Kolbengröße und -anzahl pro Fläche von Hirse, die drei bis fünf Meter hoch wachsen kann. Vom Boden aus kann man diese Größe nicht so gut schätzen. In unserem Fall verhalf uns die Drohne zu schicken Bildern von uns - von oben.

 Kleemann-Drohne-hoch

Vorführung mit einer Drohne.

Dagegen recht leicht gefallen ist mir der Modellierungsteil. Wir haben APSIM (Agricultural Production Systems Simulator) genutzt. Das User-Interface von APSIM ist nicht so intuitiv, aber nach ein paar Anweisungen ging es ganz leicht. Ziel war es nun, die modellierten Werte mit den im Feld gemessenen Werten zu vergleichen und diese als Überprüfung für das Modell zu nutzen. Als Inputdaten brauchten wir unter anderem meteorologische Werte, Informationen zum Bodentyp und Management: unter anderem Nährstoffzugabe ja oder nein, wieviel, zu welchem Zeitpunkt; welche Saatdichte und -tiefe, und welche Kulturpflanzensorte, da APSIM auch die einzelnen Wachstumsphasen der Pflanze miteinbezieht. Letztendlich bildeten wir ein Szenario, welchen Ertrag ein Bauer unter gegebenen Umständen erhalten und welchen Umsatz er damit machen würde. Für uns endete der Kurs in einem Examen, das aber alle erfolgreich bestanden. Janina Kleemann/ZEF

Kleemann-Zertifikate

Mit einem Examen beendeten die Teilnehmer den Kurs und erhielten dafür ein Zertifikat.

 

Hakone: heiße Quellen, Piratenboot und ein Schrein

Sonntag, 20. März 2016: Unsere Zweitages-Exkursion führte uns in die Gegend um den Mount Fujii. Auf der zweistündigen Fahrt betrachtete ich aufmerksam die Gegend. Die Landschaft war sehr zerklüftet, bergig und tief eingeschnitten. Prof. Okada erzählte uns, dass durch das unwegbare Gebiet im Inneren von Japan noch über 70 Prozent mit Wald bedeckt sei. Die dichte Besiedlung findet sich eher an den Küstenstreifen von Japan.

Wenn ich die Berglandschaft mit der Agrarlandschaft vergleiche, die wir auf der Zugfahrt vom Flughafen nach Tokyo gesehen haben, ist es wieder so ganz anders. Bei der Ankunft in Japan war ich von der Landschaft eher enttäuscht. Sah aus wie in Mitteldeutschland - wenn man nicht so genau hinsah: intensive Landwirtschaft (ok, hier ist es Reis statt Mais), begradigte Flussläufe, Industriegebiete und graue Hauswände. Im Wald ist halt Bambus statt Buche. Aber die steilen, bewaldeten Hänge auf der Fahrt zum Fujii waren wieder etwas anders als in Deutschland. Unsere Mittelgebirge sind nicht so steil. Und beim Aussteigen aus dem Bus hörten wir einen exotischen Vogel singen. Hörte sich fast wie die Nachtigall an, aber es war der „uguisu“ (Japanbuschsänger: Horornis diphone), der den Grasmücken und nicht wie die Nachtigall den Fliegenschnäppern angehört.

Kleemann-Restauant 

Traditionelles Restaurant am Fuji. (c) Fotos: Janina Kleemann/ZEF

Auf der Hinfahrt zum Fujii kehrten wir in ein traditionelles Restaurant ein, wo man eine ganze Suppenschüssel mit Weizennudeln, sogenannten „Udon“, und Gemüse (und wer wollte, natürlich mit Fleisch) auf dem Boden sitzend leeren konnte. So wurden auch die Sumo-Ringer groß und stark. Wir hielten uns lange Zeit im UNESCO-Weltkulturerbe des Mount Fuji auf, aber der 3777 Meter hohe Berg zierte sich. Leider hüllte er sich permanent in Wolken. Das war natürlich schade, aber Prof. Okada meinte, dass man statistisch nur einmal von fünf Besuchen einen freien Blick auf den Fuji habe. Also müssen wir das ein oder andere Mal nach Japan kommen;)

Kleemann-Hakone Schrein

Rund 400 Jahre alte Zedern säumen den Weg zum Hakone-Schrein.


Die rund 400 Jahre alte Zedernallee zusammen mit dem Schrein war ein Highlight. Die 350 bis 400 Zedern entlang des Weges sollten den Samurai Schatten spenden, wenn sie zwischen den Präfekturen hin und herwanderten. Der Hakone-Schrein wurde im 17. Jahrhundert erbaut. Sehr pittoresk mit den roten Toren (japanisch: Torii) zwischen den Zedern, die den Weg zum Schrein zeigen. Im See stand auch ein Torii, um der Legende nach den Drachen, die aus dem Wasser kamen, den Weg zum Schrein zu weisen. Den Torii hatten wir von unserem Fake-Piratenboot entdeckt, mit dem wir als Touristen gefahren sind.

Kleemann-Piratenboot

Piratenboot-Tour nach Hakone.

Die Grenzstation in Hakone hat mich auch beeindruckt: Dass es auch in Japan ein ausgeklügeltes Kontrollsystem für Reisende gab. Das Motto war „Keine Waffen nach Edo und keine Frauen aus Edo“. Edo war der Sitz des damaligen Herrschers (heutiges Tokyo) und die Waffen sollten natürlich an dem Grenzposten zur Sicherheit bleiben. Und die Frauen wurden als Geiseln in Edo zurückgelassen, damit man sicher sein konnte, dass ihre Männer aus den Heimatprovinzen wieder kamen.

Kleemann-Grenzposten

Grenzposten zwischen den Präfekturen.

Wir bekamen auch das ursprüngliche Flair von Japan zu spüren: Wir hatten eine urige Übernachtung mit vier Futons (also die Betten für uns vier Frauen) auf dem Boden nebeneinander. Dazu gab es einen Kimono für jeden und man konnte im unteren Bereich des Hauses ein Bad in heißem Quellwasser nehmen. Das Wasser war leider viel zu heiß für mich. Die sogenannten Onsen (Thermalbäder) entstanden durch die vulkanische Aktivität in der Gegend. Am Tag sahen wir in den Bergen um Hakone auch ein, zwei Fumarole - das sind Dampfaustrittstellen in vulkanisch aktiven Gebieten.

Kleemann-Schlafen

Traditionelle Schlafgelegenheit: Futons (c) Foto: Leila Hashweh

Die Japaner sind sehr reinlich. Sie nehmen jeden Abend ein Bad und duschen sich noch vorm Baden gehen ab. Dabei schrubben sie die Haut mit Seife bis zum Abwinken. Das heißt auch, dass das „Bad Nehmen“ nicht zum Sauberwerden dient, sondern zur Entspannung; vielleicht hat es auch etwas Rituelles, denn traditionell nehmen alle Familienmitglieder nacheinander ein Bad im gleichen Badewasser. Und einem Gast gebührt das erste Bad. Das begründet auch die Pflicht des Sauberseins vorm Baden.

Abendbrot und Frühstück waren in unserer urigen Unterkunft inklusive. Man hätte in der abgelegenen Gegend eh keinen Supermarkt gefunden. Das Essen war für mich als Vegetarier gewöhnungsbedürftig. Vor allem, wenn als Frühstück eine halbe Krabbe aus einer Schüssel guckt und die Beine mal so eben drüberhängen. Daneben eine Scholle, Algen - und anderes Undefinierbares. Aber ich glaube, den Japanern unter uns hat es geschmeckt. Für mich war es spannend zu sehen, was man so alles essen kann. Als eine kleine Zutat im Abendbrot gab´s schleimige Sojabohnen mit Yam-Brei gemischt.

Als letzte Sehenswürdigkeit besuchten wir ein 300 Jahre altes Rasthaus, wo wir warmen Sake tranken, sogenannter „Amazake“. Die Klümpchen in der heißen Milch (genauer: fermentierter Reis) und der Geschmack waren sehr ungewohnt: eine Mischung aus dicklich-süßlicher vergorener Milch mit leichtem Alkoholgehalt. Janina Kleemann/ZEF


Wenig Land, viel Wirtschaft

Montag, 21. März 2016: Vor welchen Herausforderungen die Landwirtschaft in Japan steht, kann man nur verstehen, wenn man erst einen Blick auf einige Kerndaten über das Land der aufgehenden Sonne wirft.  So hat Japan eine Fläche, die etwas größer ist als Deutschland. In Japan leben etwa 128 Millionen, in Deutschland 80 Millionen Menschen. Japan ist ein Inselstaat, der aus vier Hauptinseln und über 6.000 kleineren Inseln besteht. Von der insgesamt knapp 380.000 Quadratkilometer Fläche ist jedoch nur ein Viertel bewohnbar und landwirtschaftlich nutzbar, der Rest des Landes besteht aus Gebirgen und Hügelketten. Zusätzlich sind zwei Drittel der Landfläche Waldgebiet. Von der gesamten Landfläche in Japan sind nur 13 Prozent nutzbar für die Landwirtschaft, während dies in Deutschland etwa die Hälfte ist.

Gruppe

Studierende untersuchen in Japan junge Weizenpflanzen. (c) Foto: ZEF


Diese Basisdaten zeigen das Grunddilemma von Japan, insbesondere seiner Landwirtschaft. Japan ist weltweit der größte Netto-Importeur von Rohstoffen, landwirtschaftlichen Produkten und Waren und von allen Industriestaaten am wenigsten autark. Dazu kommen andere Probleme: Verhältnismäßig arbeiten mehr Menschen in Japan als in Deutschland in landwirtschaftlichen Betrieben arbeiten, doch die Bauernhöfe sind mit im Schnitt weniger als zwei Hektar durchschnittlich sehr klein. Dadurch sind die Betriebe meist nicht sehr produktiv und viele Landwirte können nur überleben, weil sie hohe staatliche Subventionen (vor allem für den immer noch sehr beliebten und intensiv betriebenen Reisanbau) erhalten und/oder sich nebenbei ein Zweiteinkommen erwirtschaften.

John Deere

Studierende nehmen in Japan ein landwirtschaftliches Gerät in Augenschein. (c) Foto: ZEF


Außerdem gehen der Landwirtschaft in Japan die Nachwuchsbauern aus, denn die Alterung der japanischen Bevölkerung trifft auch die Landwirte. Etwa die Hälfte der Betriebsinhaber ist über 65 Jahre alt. „Die meisten jungen Leute oder Agrarstudenten haben keine Lust, auf dem Land zu leben, weit weg von der Großstadt”, erläutert Professor Yagi von der Universität von Tokio. „Dies betrifft auch die Fischerei, eine traditionell für Japan sehr wichtige Branche”, fügt er hinzu. Obwohl Professor Yagi auch keine Patentlösungen für das Problem hat, raten Wissenschaftler wie er der japanischen Regierung, den Beruf und die Lebensbedingungen von Kleinbauern und -fischern wieder attraktiver zu machen. „Die Fischer- und Bauerngemeinschaften sollten mehr Entscheidungs- und Handlungsfreiraum haben und weniger von der Zentralregierung auferlegten Regeln befolgen müssen”, meint Professor Yagi. „So könnte man ihr Leben wieder attraktiver machen.“

Aber nicht nur auf der Produktionsseite sind Herausforderungen zu meistern, auch die Verbraucher tragen durch verändertes Konsumverhalten zu den Problemen bei. „Es wird immer weniger Fisch gegessen, dafür immer mehr Fleisch und Geflügel“, sagt Professor Yagi. „Japan ist traditionell ein Fischland – vor dem ersten Kontakt mit den Amerikanern vor 150 Jahren war das Essen von Fleisch im vom Buddhismus dominierten Land sogar verboten“, erzählt er. „Jetzt ist Fischessen out und viele junge Menschen haben in ihrem hektischen Alltag keine  Lust mehr, abends aufwendig Meeresfrüchte zuzubereiten.“

Welche Art von Lösungen schwebt Wissenschaftlern vor? „Wir sollten Fleisch nur noch importieren, so dass wir unsere landwirtschaftliche Fläche für Reis und Aquakultur nutzen können“, sagt Professor Seishi Ninomiya vom Institute for Sustainable Agroecosystem Services der Universität Tokyo (ISAS). „Japan sollte mehr Aquakultur betreiben und die Menschen ermutigen, wieder mehr Fisch zu essen“. Während in Deutschland veganes Essen, die Einführung von „Veggie Days“ oder wenigstens eines verminderten Fleischkonsums in aller Munde ist, um Energie zu sparen, die Umwelt zu schonen und die globalen Ressourcen etwas gleicher zu verteilen, hat die Diskussion darüber in Japan noch nicht so richtig begonnen.

„Sollen denn alle Menschen Vegetarier werden?“ fragt Professor Miyazawa von der Universität Tokyo mich erstaunt in einem Gespräch, das ich mit ihr unter anderem zu diesem Thema führe (siehe Interview weiter oben). „Das ist doch eine entscheidende Frage, wie man Menschen dazu bringt, ihr Verhalten zu ändern. Das ist nicht nur eine Frage der richtigen Informationen, denn Menschen verbinden Essen mit Emotionen und Genuss“, erläutert sie ihren Standpunkt. Eine Verbraucherkampagne in dieser Richtung seitens der Regierung, NGOs oder Verbraucherverbänden sei aber noch nicht in Sicht, gibt sie zu bedenken.

Die japanische Regierung scheint laut den Wissenschaftlern, die ich an der Universität von Tokyo gesprochen habe, im Moment eher mit den TPP (Trans-Pazifische Partnerschaft) Verhandlungen beschäftigt zu sein (die TPP wurde am 5. Oktober 2015 in Atlanta/Georgia von elf Pazifikanrainerstaaten, unter anderem Japan und den USA, unterzeichnet). Das Freihandelsabkommen – etwa mit den USA – wird von der Nationalregierung stark vorangetrieben, denn mehr offener Handel bringt der Wirtschaft Profit. Die Wissenschaftler sehen das TIPP-Abkommen eher kritisch. „Eine weitere Steigerung der Importe wird auf Kosten der sowieso schon fragilen japanischen Landwirtschaft erfolgen“, meint Professor Seishi Ninomiya vom Institute for Sustainable Agroecosystem Services der Universität Tokyo (ISAS). Alma van der Veen/ZEF

Quellen:  Länderbericht Japan des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, BMELV; Deutsch-Japanische Industrie- und Handelskammer; Landwirtschaft und ländliche Entwicklung in Japan, Yoshihiko Oyama

 

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20.11.2015

Gläsernes Bildgedächtnis Lateinamerikas

Gläsernes Bildgedächtnis Lateinamerikas

Eine Expedition in die digitalen Sammlungen des Ibero-Amerikanischen Instituts. Ausstellung inh der Bonner Altamerika-Sammlung (BASA) noch bis zum 24. April 2016.

Mehr als 10.000 historische Bildträger – Glasnegative, Glaspositive sowie großformatige Planfilmnegative – mit Motiven aus Lateinamerika zählen zum Bestand des Ibero-Amerikanischen Instituts (IAI) in Berlin. Dieser faszinierende und zum Großteil bisher unveröffentlichte Bestand wurde im Jahr 2013 mit Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) wissenschaftlich erschlossen und in weiten Teilen digitalisiert.
Mit Bildern von Max Uhle, Hans Steffen, Teobert Maler u.a. zeigt die Ausstellung ausgewählte Beispiele aus diesem „gläsernen Bildgedächtnis“ Lateinamerikas. Frühe archäologische Forschungen finden sich ebenso dokumentiert wie geographische Arbeiten oder ethnografische Impressionen. Neben Fundobjekten zeigen die Bilder auch Freunde und Helfer der Forscher und geben somit Einblicke in Arbeitsmethoden und persönlichen Netzwerke.
Die von Dr. des. Frank S. Kohl, Dr. Gregor Wolff und Diana von Römer erarbeitete und vom Designbüro böing Gestaltung umgesetzte Ausstellung ist mit Unterstützung des Förderalen Programms der Stiftung Preußischer Kulturbesitz bis zum 24. April 2016 in der Bonner Altamerika-Sammlung (BASA) zu sehen.

Kontakt:
Prof. Dr. Karoline Noack
E-Mail: [Email protection active, please enable JavaScript.]

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22.10.2015

Flüchtlinge: Deutschkurs und Ringvorlesung

Flüchtlinge: Deutschkurs und Ringvorlesung

Sprachkenntnisse sind der Schlüssel für Integration und Studienerfolg von Flüchtlingen. Darum bietet die Uni jetzt erstmals Kurse für sie an.

Um studierfähige Interessenten aus dieser Gruppe an den Lehrbetrieb unserer Universität heranzuführen, hat das Rektorat der Universität Bonn den Verein ProIntegration e.V. gebeten, Deutschkurse für studieninteressierte, in Bonn ansässige  Flüchtlinge anzubieten, die aufgrund ihrer Schulausbildung und anderen Vorkenntnissen und ihres voraussichtlich längerfristigen Aufenthalts in Bonn für ein späteres Studium in Bonn in Frage kommen.

Kurz nach Semesterbeginn hat ein Einstufungstests stattgefunden, aufgrund dessen nun 25 Teilnehmer für drei Deutschkurse auf unterschiedlichen Niveaus identifiziert werden konnten. Die Kurse haben inzwischen begonnen. Unter den Teilnehmern sind 24 Männer, darunter 17 Syrer und eine Frau dem Irak.

Außerdem plant die Universität Bonn, mittels einer Ringvorlesung zum wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurs der Flüchtlings- und Immigrationsproblematik beizutragen und allen Interessierten die Expertise zugänglich zu machen, das an der Universität zu diesem Themenkreis vorhanden ist.

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08.10.2015

Illegales Kulturgut. Schmutzige Geschäfte mit der Antike

Illegales Kulturgut. Schmutzige Geschäfte mit der Antike

Lesung und Diskussion mit dem Journalisten Günther Wessel am 14. Oktober um 18.30 Uhr im Ägyptischen Museum

Illegaler Kulturgütertransfer, das Geschäft mit geraubten Kulturgütern wächst enorm. Im Schatten politischer Erschütterungen werden antike Stätten geplündert. Gleichzeitig werden Kunstgegenstände als Geldanlage international immer öfter nachgefragt. Terroristen finanzieren sich durch geraubte Kulturgüter. Weltweit wird nur mit Drogen und Waffen mehr illegales Geld gemacht.

Der Journalist Günther Wessel hat sich in diesen »diskreten Markt« begeben. Wie es umgekehrt im Fall eines illegalen Kulturguterwerbs auch zugehen kann, zeigt Wessel in einem gerad erschienen Buch ebenso, nämlich im Fall der Rückgabe eines Objekts aus dem Ägyptischen Museum der Universität Bonn, das nach Entdeckung an die Eigentümer zurück gegeben worden war.
Günther Wessel, geboren 1959, studierte Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte und arbeitet als freier Journalist und Lektor. Er lebte und arbeitete bereits in Washington D.C., Brüssel und Berlin, und veröffentlichte bisher Reiseführer, Biographien und ein Jugendbuch sowie zahlreiche Hörfunkfeatures.

Lesung am 14.10., 18.30, Ägyptisches Museum

Eine Lesung mit Günther Wesselaus seinem neuen Werk „Das schmutzige Geschäft mit der Antike. Der globale Handel mit illegalen Kulturgütern", erschienen im Christof-Links-Verlag (Berlin 2015, 184 S.) findet statt mit anschließender Diskussion am Mittwoch, 14. Oktober 2015 um 18:30 Uhr im Ägyptischen Museum der Universität Bonn, Regina-Pacis-Weg 7, 53113 Bonn.



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01.07.2015

Außenminister der Mongolei trifft Team der Bonner Mongolistik

Außenminister der Mongolei trifft Team der Bonner Mongolistik

Im Rahmen seines Besuches in Bonn hatder mongolische Außenminister Lundeg Purevsuren in Begleitung des Botschafters der Mongolei in Deutschland, Tsolmon Bolor, das Team der Mongolistik der Universität Bonn getroffen.

Prof. em. Klaus Sagaster und Prof. Dr. Ines Stolpe informierten den Außenminister bei einem Abendessen über die jüngsten Entwicklungen der Mongolistik, die 2013 an der Universität Bonn dank der vom mongolischen Staatspräsidenten Tsakhiagiin Elbegdorj zugesicherten Kofinanzierung der Professur wiedereröffnet worden war.

Auf Initiative der Regierung der Mongolei war unter der Ägide des Bildungsministeriums ein Nationaler Rat zur Förderung der mongolischen Studien im Ausland gegründet worden, dessen Vertreter im April diesen Jahres an einer von der Bonner Mongolistik organisierten Konferenz teilgenommen hatten.
Außenminister Purevsuren brachte den Entwicklungen der Mongolistik großes Interesse entgegen und überreichte der Fachereichsbibliothek eine exzellente Auswahl neu erschienener mongolischer Fachliteratur. 

Zu dem Gespräch mit dem Außenminister der Mongolei waren als Repräsentanten der seit langem in der Mongolei aktiven Bonner Archäologie auch Dr. Ernst Pohl (Universität Bonn) sowie Dr. Christina Franken (Deutsches Archäologisches Institut) eingeladen.

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06.10.2014

Willkommen in Bonn! – Das International Office lädt ERASMUS-Studenten zur Welcome-Week

Willkommen in Bonn! – Das International Office lädt ERASMUS-Studenten zur Welcome-Week

Mit der Welcome-Week hat die Universität Bonn Anfang Oktober die neuen ERASMUS-Studenten begrüßt. Auf die Gäste wartete ein buntes Programm, um die Stadt kennenzulernen und erste Kontakte zu knüpfen. Rund 200 der 250 Studenten, die ihr Auslandssemester im Winter 2014 in Bonn verbringen, nahmen teil. Dabei unterstützt das International Office der Universität sie nicht nur in bürokratischer Hinsicht bei Anmelde- und Versicherungsmodalitäten, sondern organisiert neben Stadt- und Campusführungen sowie einem „Meet&Greet“ mit deutschen Studenten auch das erste Treffen mit den jeweiligen Fachkoordinatoren.

Nicht nur organisatorisch, auch personell stellt die große Zahl der Erasmus-Studenten das International Office vor eine Herausforderung. Bei der Durchführung des Programms helfen vier studentische Hilfskräfte und 30 studentische Freiwillige. Als Gruppenleiter betreuen sie jeweils zu zweit eine von 15 Gruppen. Ihr Engagement können sie sich für das „Zertifikat Internationale Kompetenz“ anerkennen lassen.
„Ohne die ehrenamtlichen Helfer wäre das alles so nicht durchführbar“, betont Susanne Maraizu, ERASMUS-Hochschulkoordinatorin. Für die Organisation der Welcome-Week sei vor allem Spontanität gefragt, um möglichst viele Erfahrungen und Wünsche berücksichtigen zu können. Die Einbindung deutscher Studenten führt zu einem auf beiden Seiten positiv erlebten Austausch. Auf beiden Seiten sind daher auch die gemeinsamen Kneipenabende und Partys besonders beliebt.

Auch das Erasmus Student Network (ESN), ein eingetragener Verein,  beteiligt sich am Programm des International Office. Die vom ESN angebotene Busfahrt zum Möbelhaus IKEA hat sich mittlerweile zu einem der heimlichen Höhepunkte entwickelt. Dort können sich die ERASMUS-Gäste mit fehlenden Möbeln und Wohnaccessoires eindecken. Den Abschluss der Auftaktwoche in Bonn bildet der – ebenfalls von ESN organisierte – Ausflug nach Köln sowie eine abendliche Willkommensparty.

„Phil. Fak.“ ist die gefragteste Fakultät

Mit ca. 60 Prozent ist die Philosophische Fakultät die mit Abstand gefragteste Fakultät für Erasmus-Studenten. Motive für die Wahl Bonns als Studienort sind die vielfältigen Kooperationen der Universität, der Ruf der Hochschule  und – nicht zuletzt – die gute Betreuung ausländischer Studierender. Bei vielen Studierenden spielt ebenfalls die Motivation, Deutsch zu lernen, eine große Rolle. Mit 120 Anmeldungen ist das Interesse an den – teilweise von Erasmus finanzierten – Sprachkursen dementsprechend groß. Einige Studenten hingegen beherrschen die Sprache schon so gut, dass sie sich auf ihr Fachstudium konzentrieren wollen.

Nach der erfolgreich durchgeführten Welcome-Week stellt sich das Dezernat Internationales den nächsten Herausforderungen. Wegen der anhaltenden Wohnungsnot konnten einige Studenten ihren Studienplatz in Bonn erst gar nicht wahrnehmen. Für 20 der über 200 Erasmus-Studenten wird derzeit händeringend nach einer dauerhaften Unterkunft gesucht. Da das Studienförderprogramm ERASMUS nach wie vor sehr gefragt ist, bereiten die Mitarbeiter des International Office bereits die Ankunft der nächsten Studenten im Sommersemester 2015 vor. „Dabei“ – so Maraizu – „ist vor allem eine sorgfältige Planung nötig, denn die Wohnsituation wird sich leider nicht so bald ändern.“

Text: Maike Walbroel

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29.04.2014

5. Auslandsstudienmesse 2014

5. Auslandsstudienmesse 2014

Zur 5. Auslandsstudienmesse unter dem Motto „Auf und davon mit der Uni Bonn“ lädt das Dezernat Internationales der Universität am Mittwoch, 21. Mai von 11 bis 16 Uhr ins Hauptgebäude ein.

Die Messe richtet sich an Studierende der Universität und an Studieninteressierte, die während ihres Studiums gerne eine Zeit im Ausland verbringen möchten. Ob Auslands-Praktikum oder -semester, ob mit dem ERASMUS-Programm an Partnerhochschulen in europäischen Ländern, mit dem Direktaustausch nach Asien, Australien, Nord- oder Südamerika oder außerhalb eines Austauschprogramms an eine Hochschule weltweit, es existieren vielfältige Möglichkeiten, die auf der Messe im Detail vorgestellt werden.
An Informationsständen in der Aula beraten neben dem Dezernat Internationales und den ERASMUS-Fachkoordinatoren der Universität Bonn externe und interne Förder- und Austauschorganisationen zu Auslandsstudienaufenthalten. Außerdem berichten Studierende, die bereits einen Auslandsaufenthalt absolviert haben und internationale Studierende der Universität an den zahlreichen Länderständen der Austauschstudierenden von ihren jeweiligen Heimat- bzw. Gastuniversitäten. Kulturelle Beiträge, unter anderem ein Auftritt des Internationalen Chors sowie die Ausstellung der Beiträge zum diesjährigen Fotowettbewerb unter dem Motto „Bunt gemischt“ und die Preisverleihung für die Gewinner des Wettbewerbs bilden das Rahmenprogramm.

Weiterhin informiert das Dezernat Internationales in einem Vortrag zum Thema „Studium im Ausland und Ausland zu Hause“ über Austausch- und Fördermöglichkeiten an der Universität Bonn und die Möglichkeiten, internationale Erfahrungen in Bonn zu sammeln und für Studium und Berufseinstieg zu nutzen sowie über Serviceangebote des Dezernat Internationales.

Als Aussteller sind vertreten der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), Eurodesk, Gostralia e.V., das Deutsch-Französische Jugendwerk, zahlreiche internationale Studierendenvereine und viele mehr.

Weitere Informationen sowie die vollständige Ausstellerliste finden sich auf der Homepage des Dezernates Internationales unter www.auslandsstudienmesse.uni-bonn.de .

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17.04.2014

Bonn punktet in EU-Studie mit Informatik-Studiengängen

Bonn punktet in EU-Studie mit Informatik-Studiengängen

Schöne Anerkennung für unsere Informatiker: Nicht zuletzt dank ihnen stuft die Europäische Kommission Bonn als einen der bedeutendsten Standorte der Informations- und Kommunikationstechnik ein. Das geht aus einer jetzt veröffentlichten Studie hervor.

Auf den 12. Platz kommt Bonn in der jetzt veröffentlichten Studie, die die Europäische Kommission in Auftrag gegeben hatte. Vor allem die Informatikstudiengänge der Hochschulen in der Region Bonn sowie die Forschungsaktivitäten der Fraunhofer-Institute haben zu dem guten Ergebnis beigetragen. Untersucht wurden 134 Regionen in der Europäischen Union mit nennenswerter IKT-Aktivität. Neben den Kategorien Forschung und Entwicklung wurden die einzelnen Regionen außerdem auf ihr Beschäftigungswachstum sowie der Bereitschaft zu Investitionen in die Branche geprüft. Die Studie zeigt auch bislang ungenutzte Potentiale auf: So könne sich Bonn in Sachen Investitionsbereitschaft noch deutlich verbessern.

Zusammengefasst sind die Ergebnisse der Studie im „IKT-Atlas“:
http://is.jrc.ec.europa.eu/pages/ISG/eipe/atlas.html

Informationen zu den Informatikstudiengängen der Uni Bonn
http://www.informatik.uni-bonn.de/de/schueler-und-fffler/studiengaenge/

Informatiknahe Forschungseinrichtungen in der Region Bonn:
http://www.informatik.uni-bonn.de/de/schueler-und-fffler/informatiknahe-forschungseinrichtungen/

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08.04.2014

Weltgesundheitstag 2014: UN-Flagge weht auf dem Venusberg

Weltgesundheitstag 2014: UN-Flagge weht auf dem Venusberg

Das Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit hat auf dem Venusberg zum Weltgesundheitstag die Flagge der Vereinten Nationen gehisst. Das Institut ist WHO-Kollaborationszentrum und macht so auf den Gedenktag aufmerksam, der in diesem Jahr das Augenmerk auf die globale Relevanz vektorübertragener Erkrankungen legt.

Vektoren wie Mücken, Fliegen oder Zecken können Krankheitserreger von einer Person auf eine andere übertragen. Schätzungen gehen davon aus, dass in Afrika im Jahr 2010 etwa 660.000 Todesfälle auf Malaria - eine durch die Anopheles-Mücke übertragene Erkrankung - zurückzuführen sind.

Migration, ökologischer und klimatischer Wandel, verschlechterte politische und sozioökonomische Verhältnisse, das Einstellen von Prävention und Bekämpfung der Übertragung sind zentrale ursächliche Faktoren dieses gesundheitspolitischen Problems. Deutlich wird dies am Beispiel der Zunahme der Erkrankungsfälle und der Verbreitung von Krankheiten wie Leishmaniose, Lyme-Borreliose und der Chagas-Krankheit in der WHO Region Europa. Das aktuelle Auftreten von Dengue, Chikungunya und West-Nil-Virus in Ländern, in denen diese Krankheiten bzw. Erreger zuvor nicht bekannt waren, zeigt, welche Gefahren Reise- und Handelsverkehr sowie ökologische und klimatische Veränderungen mit sich bringen können.

Am Bonner Universitätsklinikum arbeiten vor allem im Zentrum für Infektiologie und Infektionsschutz verschiedene Forschergruppen zu vektorübertragenen Erkrankungen. Am Institut für Virologie wird u.a. zu Dengue und Gelbfieber, zwei durch Mücken übertragenen Erkrankungen, geforscht. Im Institut Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Parasitologie konzentriert man sich auf die Therapie von Filarienwurmerkrankungen (Flussblindheit). Das Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit unterstützt als WHO Kollaborationszentrum direkt die Arbeiten der WHO.

Aktuelle Forschungen beschäftigen sich u.a. mit den Auswirkungen landwirtschaftlicher Nutzung von Feuchtgebieten in Ostafrika auf die menschliche Gesundheit. Vektor-übertragene Erkrankungen (z.B. Schistosomiasis, Malaria) sind hier ein Teilaspekt einer ganzheitlichen Gesundheitsverträglichkeitsprüfung. In der Arbeitsgruppe Medizinische Geographie und Public Health wird in Zusammenarbeit mit dem Robert Koch-Institut die Ausbreitungswahrscheinlichkeit der Tigermücke, die Dengueviren übertragen kann, in Deutschland modelliert. Hier wird auch das Malariainformationssystem bereitgestellt (www.malariainfo.net), das einen aktuellen Zugriff auf Informationen zu Malariaerregervorkommen und Resistenzlage ermöglicht.
Weiterführende Informationen zum Weltgesundheitstag 2014 finden Sie auf der Homepage der WHO. 


Kontakt:
Dr. Andrea Rechenburg
Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit
Universität Bonn
Sigmund Freud Straße 25
Telefon: (+49) 228 287 19515
Fax: (+49) 228 287 19516
E-Mail: [Email protection active, please enable JavaScript.]

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17.03.2014

Ehrung für den Kieselstein

Ehrung für den Kieselstein

Präsentation des Mineralogischen Museums wurde auf der weltweit bedeutendsten Mineralien-Messe und -Ausstellung ausgezeichnet.

Für das Ausstellungskonzept zum „Freund Kieselstein“ wurde das Mineralogische Museum unter Leitung von Dr. Renate Schumacher nun mit einem Preis ausgezeichnet. Bei der Tuscon Gem and Mineral Show in Arizona (USA) erhielt das Ausstellungskonzept den Preis für die lehrreichste Präsentation, den „Best Educational Display“. Der frühere Bergkristall, der aus den Alpen den ganzen Rhein hinunter gereist war, und so zum Kieselstein wurde, hatte nun seinen Auftritt als „Rhinestone“ in Arizona. Den vornehmlich amerikanischen Besuchern wurde erst durch diesen Rheinstein klar, dass der in den USA für Strass verwendete Begriff „Rhinestone“ seinen Ursprung gerade solchen Kieseln aus Bergkristall verdankt.

Rhinestone Cowboy

Seit dem frühen 18. Jahrhundert werden Rheinkiesel aus Bergkristall auch zu Strass-Schmuck weiter verarbeitet, erstmals durch Juwelier Georg Friedrich Strass, um Edelsteine oder Diamanten nachzuahmen mittels geschliffenem Bergkristall. So erklärt sich, wie der Hit „Rhinestone Cowboy“ des Country Sängers Glen Campbell die Country- und Western-Bekleidung des Cowboys besingt, nämlich als strass-besetzt und etwas kitschig.
Tatsächlich hatte vor Jahrzehnten eine lange Reise für den Kieselstein begonnen: Zunächst war er nämlich Teil eines bizarren, transparenten Bergkristalls der Schweizer Alpen, war dort aus seinem Gesteinsverband gerissen worden und in den Rhein gefallen. Rund geschliffen durch die Kraft des Flusses gelangte der Kiesel schließlich ins Mineralogische Museum der Universität Bonn. Nach Monaten der Ausstellung „Mein Freund, der Kieselstein“ wurde er Ausstellungsbeitrag bei der „Tucson Gem and Mineral Show“, in diesem Jahr zum Thema „60 Years of Diamonds, Gems, Silver and Gold.

Wohl behalten zurück im Mineralogischen Museum

Der Kieselstein ist inzwischen wieder in die Ausstellung „Mein Freund der Kieselstein“ ins Poppelsdorfer Schloss zurückgekehrt und dort noch bis zum 28. Mai 2014 zu sehen.
Die Öffnungszeiten sind mittwochs & freitags von 15-18 Uhr und sonntags von 10-17 Uhr (außer an Feiertagen).

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07.03.2014

CULINARA FESTO - Wir suchen DICH!

CULINARA FESTO - Wir suchen DICH!

Du bist internationaler Studierender an der Uni Bonn? Du kochst gern und kennst ein typisches Rezept deiner Heimat? Du hast Talent und Lust, deine Kultur auf künstlerische Art darzustellen, zum Bespiel mit Tanz, Gesang oder Musik? Dann kannst du Teil unseres Projektes CULINARA FESTO sein!

CULINARA FESTO – das ist die kulinarische Weltreise mit Bühnenshow. Von Studierenden enshow. Von Studierenden für Studierende! Und das alles in der Mensa Nassestraße!

Ziel? An einem Abend erleben wir die kulturelle Vielfalt des Anderen und erweitern unseren Horizont!

Am 15. Mai 2014 ist es dann soweit: Gemeinsam kochen wir das Essen nach deinem Rezept und präsentieren es unseren 500 Gästen. Oder wir geben dir die Bühne frei für deine ganz persönliche Performance!

Wir, das sind: AusländerInnen Referat des AStA, Studentenwerk Bonn und das International Office – und natürlich DU!

Interessiert? Dann schick uns so schnell wie möglich (bis spätestens 28. März) eine E-Mail mit deinem Rezept oder deiner Idee eines Auftritts an [Email protection active, please enable JavaScript.]

Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit dir!

 

English Version: CULINARA FESTO - We are looking for YOU!

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17.02.2014

Leben und Studieren in der Stadt am Meer - Mit Erasmus nach Thessaloniki

Leben und Studieren in der Stadt am Meer - Mit Erasmus nach Thessaloniki

Zwei Bonnerinnen in Thessaloniki: Ihren ERASMUS-Aufenthalt im Rahmen der Staff Mobility nutzte Online-Redakteurin Litsa Keranidou auch für ein Treffen mit Kristina Quendt. Die Jura-Studentin war ebenfalls mit ERASMUS an der Aristoteles Universität Thessaloniki - aber nicht für eine Woche, sondern ein halbes Jahr im Auslandsstudium.

Frau Quendt, was studieren Sie und in welchem Semester sind Sie?


Ich studiere im vierten Semester Rechtswissenschaften und habe mir für meinen Aufenthalt an der Aristoteles Universität in Thessaloniki ein Urlaubssemester genommen. Dies hat den Vorteil, dass ich ins Ausland gehen konnte, ohne ein Semester zu verlieren. Im Februar komme ich wieder nach Bonn.

Wieso haben Sie sich gerade für Thessaloniki entschieden, kannten Sie die Universität schon vorher?

Nachdem ich eine Übersicht aller möglichen Kooperationsuniversitäten meiner Fakultät erhielt, hatte ich mir die verschiedenen Universitäten vor allem über das Internet angeschaut. Interessiert haben mich dabei bevorzugt Partneruniversitäten im Süden Europas, mit unterschiedlicher Kultur und englischsprachigem Programm im Angebot. Bei den Seiten der Aristoteles Universität fühlte ich mich direkt willkommen. Dann setzte ich mich mit Dr. Dorn, meiner zuständigen ERASMUS-Koordinatorin vom Fachbereich Rechtswissenschaften, in Verbindung.

Wie finanzieren Sie ihren Aufenthalt?

Als ERASMUS-Studierende erhalte ich einen Zuschuss von monatlich etwa 170 Euro im Monat, aber ohne die Unterstützung meiner Eltern wäre die Zeit hier nicht möglich.

Sprechen Sie Griechisch? Welche Scheine müssen Sie nachweisen?

Vor Beginn meines ERASMUS-Semesters habe ich in Patras einen fünfwöchigen vorbereitenden Griechisch-Kurs absolviert. Für den generellen ERASMUS-Zuschuss muss man bestimmte Leistungsnachweise erbringen, die sich durch eine bestimmte Anzahl an Credits messen lässt. Diese werden dann in einem Transcript of Records festgehalten. Dabei handelt es sich um eine Leistungsübersicht aller von mir gewählten Fächer mit den dazugehörigen Prüfungen, sonst kann der Zuschuss teilweise oder ganz zurückverlangt werden. Ich muss bestimmte Klausuren schreiben und Kurse belegen.

Wo sind Sie untergebracht – gab es Hilfestellung bei der Wohnungssuche?

Bevor ich nach Thessaloniki aufgebrochen bin, habe ich über eine Anzeige auf den facebook-Seiten der Aristoteles-Universität ein Appartement für 190 Euro gefunden. Wir sind zu dritt: eine Griechin, eine Österreicherin und eine Deutsche.

Wer betreut Sie als Gaststudentin?

Betreut werde ich über das Buddy-Programm ESN (Erasmus Student Network) der Aristoteles Universität. Das funktioniert sehr gut, man ist jederzeit hilfsbereit und sehr offen. Das Team setzt sich aus griechischen Studenten zusammen und man kann sie auch in den sozialen Netzwerken finden.

Nutzen Sie weitere Angebote der Universität?

Ja, zum Beispiel das Language Exchange Programme, Sportangebote, Sprachtandems und einen Stammtisch. Der Kontakt vor allem zu den ERASMUS-Leuten intensiviert sich neben dem eigentlichen Unterricht, indem wir auch die Freizeit gemeinsam verbringen.

Welches persönliche Fazit können Sie ziehen?

Für mich persönlich ist es ein wirklich außergewöhnliches Erlebnis, in Thessaloniki zu sein. Vielleicht waren es nicht die großen akademische Fortschritte, aber die Tatsache, dass man in einem anderen Land auf sich selbst gestellt ist, eine neue Kultur und neue Leute kennenlernt, macht die Erfahrung einzigartig. Ich kann einen ERASMUS-Aufenthalt in Thessaloniki auf jeden Fall empfehlen.

Vielen Dank – und καλή επιτυχία (kali epitichia - Viel Glück)

Weitere Informationen zum Studium oder Praktikum in Europa mit ERASMUS

Litsa Keranidou

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13.01.2014

Den Anfang kennt Heliopolis

Den Anfang kennt Heliopolis

Vortrag: Ägyptisch-deutsche Ausgrabungen im Tempel des Sonnengottes

Anlässlich der neuesten Grabungen in Heliopolis berichtet Dr. Dietrich Raue über die aktuellen Arbeiten der ägyptisch-deutschen Gemeinschaftsunternehmung.
Die Abteilung Ägyptologie und das Ägyptische Museum der Uni Bonn laden ein zum Vortrag am Mittwoch, 15. Januar, um 18:30 Uhr.

Nach altägyptischer Vorstellung fand die Weltschöpfung auf einem Urhügel statt, der sich im Gebiet der nordöstlichen Stadtteile der heutigen Millionenstadt Kairo befand. Am Ort dieses ersten Sonnenaufgangs, dem Tempel von Heliopolis, wird für mehr als 2000 Jahre durch die Könige Ägyptens der Heilige Bezirk ausgestaltet. Unter anderem frühzeitige Steinberaubungen und die Überbauung durch Kairo haben verhindert, dass bisher ein genaues Bild dieses religiösen Zentrums erarbeitet werden konnte.

Seit 2012 arbeitet eine Gemeinschaftsunternehmung des ägyptischen Antikenministeriums und des Ägyptologischen Instituts/Ägyptischen Museums - Georg Steindorff - der Universität Leipzig mit Prospektionen und Ausgrabungen innerhalb der gewaltigen Umfassungsmauern (1100x900m). Die ersten Kampagnen brachten z.B. neue Erkenntnisse zur Prähistorie des Platzes im 4. Jt. v. Chr. wie auch zur Bautätigkeit des Echnaton in Amarna.

Ort
: Ägyptisches Museum der Universität Bonn, Regina-Pacis-Weg 7, 53113 Bonn.
Eintritt: € 2,50 / € 2,00, Freier Eintritt für Mitglieder des Fördervereins

Referent:
Dr. Dietrich Raue ist Kustos des Ägyptisches Museums – Georg Steindorff –  der Universität Leipzig.

Kontakt:
Dr. Martin Fitzenreiter
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Homepage: http://www.aegyptisches-museum.uni-bonn.de/
Telefon: 0228-739717

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13.11.2013

Omphalosaurus im Goldfuß-Museum

Omphalosaurus im Goldfuß-Museum

Von Gestein eingeschlossene Knochen. Fund wird ausgestellt im Goldfuß-Museum

Ab sofort zeigt das Goldfuß-Museum einen 240 bis 247 Millionen Jahre alten Gesteinsblock, der Knochen des Omphalosaurus einschließt. Der Block samt seiner Meeresreptilien-Reste wurde 2008 bei einer Grabung in Nevada, USA, gefunden und 2011 gesichert.
Es handelt sich um den bisher besten Fund dieser Saurierart. Zusammen mit Knochen aus elf weiteren Gesteinsblöcken ergibt sich ein fast vollständiges Skelett. Die Funde werden derzeit von einem Präparator des Museums für Naturkunde Berlin und von mehreren Präparatoren im Steinmann-Institut der Universität Bonn bearbeitet. Die Knochen des Omphalosaurus werden durch eine digitale Fotoreihe dokumentiert. Bisherige Funde von Omphalosaurus beschränkten sich hauptsächlich auf Kieferfragmente; die genaue Lebensweise des Sauriers ist bisher nicht vollständig geklärt.
Die Ausstellung des Aktuellen Fossils im Goldfuß-Museum zeigt neben dem Fund und seinen Daten selbst auch den aufwendigen Prozess von der Entdeckung über die Bergung und die Präparation bis zur wissenschaftlichen Untersuchung, die in der kleinen Ausstellung dargestellt wird.

In Abständen zeigt das Goldfuß-Museum des Steinmann-Instituts der Universität Bonn immer wieder ein besonderes Objekt in seiner Reihe „Aktuelles Fossil“. Weitere Information gibt es auch unter http://www.steinmann.uni-bonn.de/museen/goldfuss-museum

 

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30.07.2013

Bonner Völkerrechtler zu Gast im chinesischen Fernsehen

Bonner Völkerrechtler zu Gast im chinesischen Fernsehen

Im Dauerkonflikt um territoriale Ansprüche im Südchinesischen Meer ist die Expertise von Prof. Stefan Talmon gefragt

Seit Jahren ringen China und mehrere ASEAN-Staaten, vornehmlich die Philippinen, Vietnam und Indonesien, um Inseln im Südchinesischen Meer. Es geht um Gebiets- und Hoheitsansprüche in einem Gebiet, das vor allem reich an Fischgründen und Rohstoffen ist.

Das UN-Seerechtsübereinkommen, eine von den ASEAN-Staaten und China im Jahr 2002 verabschiedete Erklärung zum Verhalten im Südchinesischen Meer sowie unzählige diplomatische Bemühungen waren bisher erfolglos und konnten nicht verhindern, dass der Streit erneut an Brisanz zugenommen hat. Anfang dieses Jahres strengten die Philippinen ein Schiedsverfahren unter dem UN-Seerechtsübereinkommen gegen China an, um die Streitfragen endgültig klären zu lassen. Dies wies China umgehend zurück und lehnt seitdem jede Beteiligung an dem Schiedsverfahren ab.

Im Rahmen der Zweiten Konferenz über Zusammenarbeit und Entwicklung im Südchinesischen Meer traten nun in Peking Wissenschaftler aus der Region, den Vereinigten Staaten und Europa, unter ihnen der Bonner Völkerrechtler Stefan Talmon, zusammen, um pragmatische Lösungen für den festgefahrenen Konflikt zu erarbeiten und Vorschläge für einen Code of Conduct der ASEAN-Staaten und Chinas im Südchinesischen Meer zu unterbreiten.

Zur besten Fernsehzeit am Samstagabend diskutierte Prof. Dr. Talmon gemeinsam mit einem Kollegen der Tsinghua University auf CCTV News die neuesten Entwicklungen und nahm Stellung zu dem völkerrechtlich zweifelhaften Vorstoß der Philippinen, die Streitfragen durch ein internationales Schiedsgericht klären zu lassen. Dabei wies er darauf hin, dass die Zuständigkeit der Schiedsgerichte nach dem UN-Seerechtsübereinkommen beschränkt ist und China territoriale Streitigkeiten wirksam von der Zuständigkeit des Schiedsgerichts ausgenommen hat.

Die 30 minütige Sendung ist unter http://english.cntv.cn/program/dialogue/20130721/100467.shtml abrufbar.

 

Kontakt:
Sabine Kaldonek - Studienkoordinatorin PR/Öffentlichkeitsarbeit -
Fachbereichsmanagement Rechtswissenschaft
Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät
der Universität Bonn
Telefon: 0228 / 73-62403
E-Mail: [Email protection active, please enable JavaScript.] 
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22.07.2013

Ägyptens imposante Pyramiden

Ägyptens imposante Pyramiden

Barbara Klecha berichtet von ihren Eindrücken aus Ägypten: Die Pyramiden von Giza sind jedem bekannt. Doch der Ursprung des Pyramidenbaus liegt woanders.

Jeder Ägypten-Reisende möchte eine Pyramide von innen sehen, vor allem die berühmten auf dem Giza-Plateau. Enorm ist die Enttäuschung, wenn dann die Eintrittskarten vergriffen sind. Doch es gibt ebenso imposante Alternativen: die Stufenpyramide des Pharaos Djoser und die zwei Pyramiden des Snofru in Daschur.

Beide Orte sind baugeschichtlich sehr interessant, denn sie leiteten in ihrer Zeit geschichtsträchtige Neuerungen ein. Die vorangegangenen Könige Ägyptens ließen sich sog. Mastabas (Steinbank) für das Leben im Jenseits errichten. Mastabas sind mehrere Meter in Länge und Breite messende, rechteckige Ziegelbauten, die sich nach oben hin leicht verjüngen. Unter diesen Aufbauten befanden sich unterirdische, wohnhausähnliche Mauerwerke, in denen die frühdynastischen Könige bestattet wurden. Nach der Beisetzung wurde diese Art versenkter Grabstätten mit Sand zugeschüttet und die Mastaba aufgetragen.

Von diesem traditionellen Grabbau und von der Idee beeinflusst, eine Treppe bis zur Sonne zu erschaffen, ließ Djoser, der zweite Pharao der 3. Dynastie (etwa 2700 v. Chr.), gleich sechs Mastabas aufeinandersetzen; die nächst höhere war immer etwas kleiner als die vorangehende, wodurch ein treppenartiger Bau entstand. So wurde die erste Pyramide der Weltgeschichte geboren.

Eine Dynastie später nahm König Snofru diese Idee auf, verfeinerte sie und ließ die erste von Anfang an mit glatten Wänden konzipierte Pyramide erbauen: die sog. Knickpyramide bei Daschur. Sie verdankt ihren Namen einem Berechnungsirrtum in der Statik: aufgrund des Fehlers wurde Neigungswinkel auf halber Höhe verringert. So mutet das Meisterwerk eigenartig an, aber es ist gleichzeitig etwas Einmaliges. Snofru ließ in der Nähe eine weitere Pyramide errichten, die Rote Pyramide; sie gelang dann wie gewünscht und war auch nicht die letzte; kein anderer König ließ mehr Pyramiden erbauen. Beeindruckend wie die Pyramiden des Giza-Plateaus sind diese Bauwerke in jedem Fall.

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28.05.2013

In der Wüste

In der Wüste

Lange Märsche über Dünen, Pausen unter Palmen, erfrischende Bäder

In die sogenannte Schwarze sowie die Weiße Wüste geht es los ab Baharia, einer Oase südöstlich von Kairo. Gleißende Kreidefelsen sprießen mitten in der Sandwüste hervor. Von Sand und Wind verwittert, bilden sie weiße Skulpturen, die aussehen wie überdimensionale Pilze, Tiere oder Riesen. Aus den Kreidefelsen treten schwarze Meerestiere und Pflanzen hervor. Sie wecken den Entdeckergeist und zeigen, dass diese Landschaft einst auf dem Meeresgrund lag. Pechschwarze Berge bilden den Kontrast zur Weißen Wüste. Auf Kamelen geht es unter der Sonne den ganzen Tag weiter. Bei Beduinen haben wir ein einheimisches Mittagessen gekostet. In der Nacht erlebe ich im Freien einen Sternenhimmel, der in Stadtgebieten niemals so strahlen kann. Und die ganze Nacht leistet uns ein Wüstenfuchs Gesellschaft. Unvergessliche Tage.

Schwarze-Wueste

(c) Julia Bertsch - Die Schwarze Wüste in Ägypten

Nachtlager

(c) Barbara Klecha - Nachtlager im Schutze eines Kreidefelsens

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23.05.2013

Als Archäologe in Ägypten

Als Archäologe in Ägypten

Neben den beeindruckenden Nachlassenschaften der Pharaonen birgt Ägypten zahlreiche Ruinen aus christlicher Antike. Den Experten zu diesen Zeugnissen, Dr.-Ing. Peter Grossmann, hat Barbara Klecha getroffen.

KAIRO(A) LIVE - Barbara Klecha berichtet von ihren Eindrücken in Ägypten: Letzte Woche feierte Peter Grossmann seinen 80. Geburtstag mit seinen Kollegen am Deutschen Archäologischen Institut in Kairo. Peter Grossmann hatte Archäologie in Karlsruhe studiert und über „S(an) Michele in Afrisisco zu Ravenna“ promoviert. Seinen Schaufel- und Pinselwerdegang begann Ende der 1950er Jahre u. a. an der Via Appia in Rom und in Pompeji. Seit 1964 ist der Wissenschaftler für das DAI in Kairo tätig. Er stellte fest, dass es in Ägypten viele Ruinen aus christlicher Zeit gibt, die – anders als in Italien oder Griechenland – bis dahin in der Wissenschaft kaum beachtet worden waren. Es ist unter anderem Peter Grossmann zu verdanken, dass Stätten wie das vom Grundwasserspiel stark bedrohte Abu Mina, auch das Jeremias-Kloster in Saqqara oder das – teils aus altägyptischen Bausteinen wieder errichtete - Schenute-Kloster von Sohag heute sehr bekannt sind. Ihre Ästhetik wird auch zunehmend von Ägyptenreisenden wahrgenommen. Weiterhin gräbt Grossmann bei jeder Kampagne in Antinoopolis; seit 15 Jahren ist er im Ruhestand. Aufhören will er nicht, sagt Grossmann, aber er greift sich „nur noch die besten Projekte heraus“.

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